Schloss Neubeuern

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Schloss Neubeuern beschäftigt sich seit über 15 Jahren intensiv mit IT-Themen. 1996/97 erfolgte dabei die komplette Glasfaservernetzung des Schlosses mit Netzwerkanschlüssen auch in allen Internatszimmern und Schulräumen, gefolgt von einer flächendeckenden Ausstattung aller Unterrichtsräume mit Datenprojektoren und Rechnern und einem Hochleistungs-Funknetzwerk, das den gesamten Campus abdeckt. Über viele Jahre blieb jedoch die Integration dieser hervorragenden Hardware-Ausstattung in den Unterrichtsalltag dem Zufall, bzw. dem Engagement einzelner Lehrer überlassen. Da wir in der Zwischenzeit zu der Überzeugung gelangt waren, dass der intuitive Umgang mit digitalen Medien und das Zurechtfinden in einer digitalen Informationsgesellschaft zu den grundlegenden Kulturtechniken der heutigen Generation gehören, trafen wir 2008 die richtungsweisende Entscheidung, mit unserem Digital Ink-Projekt in einem einmaligen Paradigmenwechsel den Unterricht auf Schloss Neubeuern ab Klasse 9 komplett auf digitale Tinte umzustellen.

Mittlerweile haben sich damit ca. 140 Schüler und ihre Lehrer in den Klassenstufen 9 – 12 komplett von Kreidetafeln und Ordnern, Schul- und Hausaufgabenheften, Karteikarten und Notenblättern verabschiedet – aus dem Projekt ist längst gelebter Schulalltag geworden, denn Digital Ink hat erfolgreich das Lehren und Lernen in Neubeuern revolutioniert. Alle Unterrichtsmaterialien, Notizen, Termine, Tests, Noten, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten werden von den Schülern und Lehrern am Gerät mit Eingabestift und Tastatur verwaltet und bearbeitet. In den Klassenzimmern stehen eigens entworfene, ergonomische Tische mit Docking-Stationen, in den Projekträumen ein schnelles Funknetzwerk zur Verfügung, hochauflösende 3D-fähige Datenprojektoren werfen „Tafelbilder“ an die Wand. Bearbeitete Dateien werden vom Lehrer digital eingesammelt. Es entsteht so eine völlig neue, interaktive und kollaborative
Lernumgebung, die die Abkehr vom klassischen Frontalunterricht erlaubt und vollkommen neue didaktische Möglichkeiten eröffnet. Zum Einsatz kommen Thinkpad X230 Tablet-PCs von Lenovo, die über ein hochauflösendes Touch-Display verfügen. Mitschriften, Tafelbilder und Klassenarbeiten/Klausuren werden mit Handschrifterkennung in der Software OneNote, Aufgaben, Termine und Aktivitäten werden über Outlook abgewickelt. Die Schüler können natürlich auch von ihrem Wohnbereich oder von zuhause die Anwendungen nutzen und ihre Mails, Termine und Kontakte mit ihren Smartphones synchronisieren.

Parallel zum Digital Ink-Programm wurden für die Klassen 5 – 8 IPad-Klassensätze angeschafft, um auch für die jüngeren Schüler eine didaktische Bereicherung des Unterrichts zu ermöglichen. Diese werden besonders intensiv im Entrepreneurship- Unterricht der Klassen 5 – 7 eingesetzt, wo die Schüler z.B. mit iMovie Werbefilme für ihre Produkte drehen und mit Garageband die dazugehörigen Jingles komponieren und produzieren. Die Lehrer beginnen mittlerweile damit, mit einer innovativen Autorensoftware eigene Lerneinheiten mit dazugehörigen Quizzes und Spielen für den IPad zu schreiben.

Insbesondere im naturwissenschaftlichen Unterricht beginnen wir aktuell mit 3DInstruktion zu arbeiten. Mehrere Klassenräume sind mit 3D-fähigen Datenprojektoren ausgestattet, im Lehrerzimmer steht ein Koffer mit 20 Shutterbrillen für die Lehrer bereit, die dieses unglaublich wirkungsvolle Medium einsetzten wollen.

Antworten des Fragebogens

Bundesland: Bayern

Name der Schule: Schloss Neubeuern

Schulart: Gymnasium (5 – 12) und Internat

Einsatz in welchem Fach/welche Fächer
Im Digital Ink-Programm ausnahmslos in jedem Fach und in jeder Unterrichtsstunde, da der Tablet PC komplett Papier und Stift ersetzt hat. In den iPad-Klassen je nach Engagement der Lehrkräfte und der Eignung des Unterrichtsstoffs. Schwerpunkte in den Bereichen Wirtschaft (Entrepreneurship/RockitBiz) und Fremdsprachen. In den Klassen 5 und 6 stehen dabei die iPads One-to-One zur
Verfügung, in den Klassen 7 und 8 nach Bedarf zur Ausleihe.

Dauer/Häufigkeit des Einsatzes

  • Digital Ink: Vier Jahre lang, in jedem Fach in jeder Stunde
  • iPad-Klassen: einzelne Stunden, unterschiedlich intensiver Einsatz mit steigender Häufigkeit.

Über welchen Zeitraum wurden die digitalen Medien eingebunden?
Seit 2009 ohne Unterbrechung. Mittlerweile sind vier Jahrgangsstufen (Kl. 9 – 12) im Digital Ink-Programm eingebunden, ebenso alle Lehrer der Schule. Im Mai wird das erste digitale Abitur in Schloss Neubeuern geschrieben.

Wie häufig werden diese im Unterricht eingesetzt?

  • Digital Ink: immer, da sie neben den zusätzlichen Möglichkeiten die bisherigen Arbeitsmittel komplett ersetzen.
  • iPad-Klassen: einzelne Stunden, unterschiedlich intensiver Einsatz mit steigender Häufigkeit.

Wenn Medien in einer Unterrichtsstunde eingesetzt wird, welchen Zeitanteil macht der Medieneinsatz aus?

  • Digital Ink: im Prinzip 100%, da alle Arbeitsvorgänge digital stattfinden.
  • iPad-Klassen: ca. 30% (z.B. Recherche/individuelles Üben) – 100% (Projektarbeit)

Verantwortlicher:

  • IT-Administrator: Michael Fees (michael.fees@schloss-neubeuern.de)
  • Stiftungsvorstand: Jörg Müller (joerg.mueller@schloss-neubeuern.de)

Webseite des Projekts

  • Infos zum Programm: www.schloss-neubeuern.de

Welche Geräte werden eingesetzt?

  • Digital Ink: Lenovo Thinkpad X220/X230 Tablets, Dockingstations, externe Festplatten, Headsets, Datenprojektoren von Fujitsu und Epson
  • iPad-Klassen: iPad 2 und 3, Apple TV, Datenprojektoren von Fujitsu und Epson3D-Instruktion: 3D-Beamer von Epson, Shutterbrillen von Epson

Welche Software wurde eingesetzt?

  • Digital Ink: MS Office mit Schwerpunkt OneNote und Outlook, Photoshop, verschiedenste Lernprogramme
  • iPad-Klassen: iMovie, Garageband, Keynote, verschiedenste Apps nach Präferenz der Lehrer, 3D-Instruktion: 3D-Inhalte überwiegend von Designmate

Welche digitalen Inhalte werden genutzt/erstellt?
Die Content-Frage ist natürlich eine sehr wichtige, bei der wir mittelfristig auch auf die etwas engagiertere Unterstützung der Lehrbuchverlage hoffen. Es werden in Schloss Neubeuern überwiegend eigene Unterrichtsentwürfe erstellt und genutzt, ergänzt um
Verlagsmaterialien (auch via meinunterricht.de), Youtube-Videos und v.a.m. Aktuell beginnt die intensive Erstellung und Nutzung unseres Schulwikis. Die Erstellung eigener Videos und Blogs soll in diesem Kontext stark unterstütz werden. Außerdem wurde ein Unterrichtsraum mit einem kompletten Matterhorn-Setup ausgestattet, so dass Lehrkräfte zukünftig Vorlesungen/Einführungen multimedial aufzeichnen können, um sie ihren Schülern zur Vorbereitung, bzw. im Sinne des flipped classroom zur Verfügung stellen können. Wir experimentieren in diesem Bereich außerdem mit der Python-Programmiersprache (z.B Udacity.com) in unserem Bemühen, Unterricht schülerzentrierter und individualisierter gestalten zu können.

Bitte beschreiben Sie, wie ein Unterricht unter dem Einsatz des Mediums abläuft?
In einer Digital Ink-Stunde wäre der Einsatz der Medien natürlich ständig zu beobachten. In den vergangenen Jahren galt unser Hauptaugenmerk dem Bemühen, die Technik in den Hintergrund zu drängen und sie zu einem integralen Bestandteil des Alltagsunterrichts zumachen. Nachdem dies gelungen ist, wenden wir uns nun zunehmend und mit Nachdruck den wirklich wichtigen Fragen zu.

Warum haben Sie sich entschieden, digitale Medien im Unterricht/ für das Projekt einzusetzen?

Wir waren zu der Überzeugung gelangt waren, dass der intuitive Umgang mit digitalen Medien und das Zurechtfinden in einer digitalen Informationsgesellschaft zu den grundlegenden Kulturtechniken der heutigen Generation gehören, trafen wir 2008 die richtungsweisende Entscheidung, mit unserem Digital Ink-Projekt in einem einmaligen Paradigmenwechsel den Unterricht auf Schloss Neubeuern ab Klasse 9 komplett auf digitale Tinte umzustellen.

Welche/s Ziel/e sollte/n erreicht werden?

Alle Unterrichtsmaterialien, Notizen, Termine, Tests, Noten, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten werden von den Schülern und Lehrern am Gerät mit Eingabestift und Tastatur verwaltet und bearbeitet. In den Klassenzimmern stehen eigens entworfene, ergonomische Tische mit Docking-Stationen, in den Projekträumen ein schnelles Funknetzwerk zur Verfügung, hochauflösende 3D-fähige Datenprojektoren werfen „Tafelbilder“ an die Wand. Bearbeitete Dateien werden vom Lehrer digital eingesammelt.

Welche Ziele wurden tatsächlich erreicht?
Die wirklich wichtigen Ziele sind natürlich noch nicht vollumfänglich erreicht, sondern gleichen noch eher zarten Pflänzchen, die wir hegen und pflegen. Wichtige Etappenziele jedoch wurden sehr wohl erreicht, insbesondere die Akzeptanz aller Stakeholder, dass
der Paradigmenwechsel der richtige war, außerdem die nahtlose Integration der Technik (bei annähernd 100% Verfügbarkeit) in den Unterrichtsalltag. Die nächsten Ziele beziehen sich vor allem auf die Veränderung von Unterricht durch die technischen Möglichkeiten. Hier haben wir eine Taskforce von jungen engagierten Lehrern gebildet, die sich dem Vorantreiben dieser Entwicklungen intensiv widmen sollen (und wollen). Im Sinne einer Grasroots-Bewegung sind auch die Schüler daran beteiligt, z.B. in der Arbeitsgruppe der Classroom Rockerz, in der Schüler verschiedener Klassenstufen gemeinsam Konzepte entwickeln, wie digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden sollten.

Gab es Widerstände? Welche?
Die Entscheidung für den Paradigmenwechsel zu Digital Ink war natürlich eine Top Down Management-Entscheidung, für die es zu diesem Zeitpunkt ganz sicher keine Mehrheit in der Lehrerkonferenz gegeben hätte. Erfreulicherweise hielt sich aber selbst der passive
Widerstand danach in Grenzen und wich sehr schnell der Akzeptanz und Einsicht, dass die Entscheidung für die Zukunft Schloss Neubeuerns (und des Unterrichts an sich) richtig und wichtig ist. Nach mittlerweile dreieinhalb Jahren gibt es natürlich immer noch
Kollegen, die einfach ihren bisherigen Unterricht nun digital halten. Selbst damit ist aber bereits ein großer Gewinn an Struktur und Haltbarkeit von Wissen verbunden. Zunehmend werden aber die Chancen der digitalen Medien von unseren Lehrern nicht nur
erkannt, sondern auch erfolgreich in den Unterricht integriert. Dazu gehören explizit auch die Möglichkeiten der Web 2.0-Output-Steuerung über Social Media und Wikis. Bei Eltern und Schülern war die Aufgeschlossenheit in der Einführungsphase erwartungsgemäß sehr groß, geriet dann in einer ersten Phase technischer Probleme etwas ins Wanken und ist mittlerweile einer völlig unaufgeregten Selbstverständlichkeit gewichen.

Wie wurde der Medieneinsatz finanziert?

Auch da die Tablet PCs und die umfangreiche Software aus verschiedenen Gründen im Schuleigentum bleiben, sind die Gesamtkosten für das Projekt natürlich recht hoch. Einer der entscheidenden Gründe für den großen Erfolg des Programms liegt dabei allerdings in
den Investitionen in Personal. Wir leisten uns ein vierköpfiges Team von ITAdministratoren, die nicht nur für das Funktionieren der Technik sorgen, sondern eine pädagogische Schnittstelle besetzen, in der sie die Lehrer beim Unterricht unterstützen und entlasten. So schicken wir während der ersten Unterrichtswochen bei neu in das Programm eintretenden Lehrern grundsätzlich einen Techniker mit in den Unterricht. Die Kosten werden vollständig aus den Schul- und Internatsgebühren finanziert.

Gibt es weitere Links/Ressourcen/Dokumentationen zu Ihrem Projekt?

  • Webseite: http://www.schloss-neubeuern.de/de/index.html
  • Wiki: http://wikis.zum.de/neubeuern/Hauptseite

Ist das Projekt wissenschaftlich begleitet?
Wir beginnen gerade eine Phase intensiver Kooperation mit der LMU München. Verschiedene Lehrstühle (z.B. Medienpädagogik, Didaktik, Psycholgie usw.) haben großes Interesse daran gezeigt, die Arbeit in Schloss Neubeuern zu begleiten und zu evaluieren.
Es ist daran gedacht, ein oder zwei Doktoranden mit dieser Aufgabe zu betreuen. Wir wünschen uns natürlich mittelfristig eine Art wissenschaftliches Siegel, das die Effizienz des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht unterstreicht und belegt.

Wie sind die vier Gruppen, Schüler, Eltern, Lehrer und Verwaltung in die Entstehung und auch in den Verlauf des Projektes eingebunden?
Seit der Managemententscheidung für das Programm sind alle Stakeholder intensiv an der Weiterentwicklung und Verbesserung des Programms beteiligt. Dazu gehören natürlich auch umfangreiche Aus- und Fortbildungsangebote an die Unterrichtenden, die allerdings auch mit Zertifizierungsprüfungen verbunden sind, in denen die technischen Grundfertigkeiten nachzuweisen sind.